Brandschottung – Was ein Brandschott ist, welche Arten es gibt und woran man ein mangelhaftes erkennt

Kabelschott, Rohrmanschette, Weichschott: Was eine Brandschottung leisten muss, wann sie Pflicht ist, wer sie einbauen darf und welche Fehler wir im Bestand am häufigsten finden.

Ein Brandschott ist das unscheinbarste Bauteil im ganzen Gebäude. Ein bisschen grauer Mörtel um ein Kabelbündel, eine rote Manschette um ein Rohr, daneben ein kleines Schild. Kein Mensch schaut da hin. Bis es brennt.

Dann entscheidet genau dieses Bauteil, ob das Feuer im Raum bleibt oder durch die Wand ins nächste Geschoss wandert. Abschottungen sind unser tägliches Brot. In diesem Beitrag erklären wir, was ein Brandschott können muss und woran man ein schlechtes erkennt.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

Was ist ein Brandschott?

Gebäude sind in Brandabschnitte aufgeteilt. Wände und Decken zwischen diesen Abschnitten sollen ein Feuer eine bestimmte Zeit lang aufhalten, meist 30, 60 oder 90 Minuten. Das funktioniert aber nur, solange die Wand dicht ist.

Jedes Kabel, jedes Rohr und jeder Lüftungskanal, der durch so ein Bauteil geführt wird, reißt ein Loch in diesen Schutz. Ein Brandschott verschließt die Durchführung so, dass die Wand oder Decke wieder die volle Feuerwiderstandsdauer erreicht. Brandschott, Brandschottung und Brandabschottung meinen dabei dasselbe.

Wann braucht man eine Brandschottung?

Immer dann, wenn Leitungen durch Bauteile laufen, an die Feuerwiderstandsanforderungen gestellt werden. Das sind vor allem Brandwände, Trennwände zwischen Nutzungseinheiten, Wände von Treppenräumen und notwendigen Fluren sowie Geschossdecken.

Geregelt ist das in der Landesbauordnung und in der Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie, kurz MLAR. Die hat die Bauministerkonferenz erarbeitet, in Bayern ist sie über die Technischen Baubestimmungen eingeführt. Sie legt fest, wie Leitungen durch solche Bauteile geführt werden dürfen.

Welche Arten von Brandschottungen gibt es?

  1. Kabelabschottung Für Kabel und Kabelbündel. Je nach System wird die Öffnung mit Brandschutzmörtel verschlossen, mit beschichteten Mineralwollplatten als sogenanntes Weichschott ausgeführt oder mit Brandschutzkissen und -steinen gefüllt. Das Weichschott ist beliebt, weil sich später leichter nachbelegen lässt.
  2. Rohrabschottung Für Rohre, und hier kommt es auf den Werkstoff an. Brennbare Rohre aus Kunststoff bekommen meist eine Brandschutzmanschette. Die schäumt im Brandfall auf und drückt das weich werdende Rohr zu. Nicht brennbare Rohre aus Metall werden in der Regel mit einer Streckenisolierung aus Mineralwolle abgeschottet, damit die Wärme nicht durchs Rohr auf die andere Seite wandert.
  3. Kombischott Kabel und Rohre gemeinsam in einer Öffnung. Das ist in der Praxis häufig, weil Leitungen gebündelt verlegt werden, und nur mit einem System zulässig, das für genau diese Mischbelegung zugelassen ist.

Wo so viele Leitungen durch einen Schacht laufen, dass Einzelschotts nicht mehr sinnvoll sind, gibt es eine andere Lösung: die Verfüllung des ganzen Schachts. Die haben wir im Beitrag zum Brandschutz für Hausverwaltungen beschrieben.

S90, R90, EI 90: was die Klassen bedeuten

Die Regel dahinter ist einfach: Das Schott muss mindestens so lange halten wie das Bauteil, in dem es sitzt. Eine Geschossdecke mit 90 Minuten Feuerwiderstand braucht eine Abschottung mit 90 Minuten. Ein 30-Minuten-Schott in einer 90-Minuten-Decke ist ein Mangel, auch wenn es sauber gesetzt ist.

Kennzeichnung und Übereinstimmungserklärung

Ein Brandschott ist erst fertig, wenn es nachweisbar ist. Dazu gehören zwei Dinge. Erstens ein Kennzeichnungsschild direkt neben dem Schott, mit Systembezeichnung, Zulassungsnummer, Feuerwiderstandsklasse, ausführender Firma und Herstellungsjahr.

Zweitens die Übereinstimmungserklärung. Mit ihr bestätigt die ausführende Firma dem Bauherrn schriftlich, dass das Schott genau nach Zulassung eingebaut wurde. Fehlt sie, lässt sich im Schadensfall kaum belegen, dass die Abschottung überhaupt etwas taugt.

Die Fehler, die wir im Bestand am häufigsten finden

  1. Bauschaum statt Brandschutz Der Klassiker. Ein Loch um ein nachgezogenes Kabel, zugeschäumt mit normalem Montageschaum aus dem Baumarkt. Der ist brennbar und im Brandfall eher Brandbeschleuniger als Schutz. Brandschutzschaum gibt es auch, aber nur als Teil eines zugelassenen Systems.
  2. Nachbelegung durchs Schott Der Elektriker zieht ein neues Kabel durch ein bestehendes Schott und macht das Loch hinterher notdürftig zu. Ab diesem Moment gilt die Zulassung nicht mehr.
  3. Das falsche System für die Leitung Eine Manschette ist für bestimmte Rohrwerkstoffe und Durchmesser zugelassen. Sitzt sie auf einem anderen Rohr, sieht sie gut aus, aber sie funktioniert nicht zuverlässig.
  4. Mischbelegung im Einzelschott Kabel und Rohre in einer Öffnung, abgeschottet mit einem System, das nur für Kabel zugelassen ist.
  5. Fehlendes Schild Die Abschottung ist vielleicht in Ordnung, aber niemand kann es belegen. Im Prüfsinn ist das dasselbe wie gar kein Schott.
  6. Restöffnungen und Abstände Spalte neben dem Schott, die niemand verschlossen hat, oder Leitungen, die zu dicht aneinander oder am Rand liegen. Die Zulassung schreibt Mindestabstände vor, und die werden im Gedränge einer Baustelle gerne ignoriert.
Blick durch eine Wandöffnung auf dicht belegte Lüftungskanäle und gedämmte Rohrleitungen, jede Durchführung braucht ihre eigene zugelassene Abschottung.
Viele Leitungen, viele Werkstoffe: Jede Durchführung braucht ein System, das genau für diese Belegung zugelassen ist.

Wer darf einen Brandschott einbauen?

Einen bestimmten Meisterbrief schreibt das Gesetz dafür nicht vor. Entscheidend ist etwas anderes: Das Schott muss exakt nach der Zulassung des Systems eingebaut werden, und wer es einbaut, muss das mit der Übereinstimmungserklärung schriftlich bestätigen. Damit trägt die ausführende Firma die Verantwortung.

Viele Hersteller verlangen zusätzlich, dass nur geschulte Verarbeiter ihre Systeme einbauen. In der Praxis heißt das: Brandschottung ist Spezialistenarbeit. Wer sie nebenbei erledigt, weil er ohnehin gerade Kabel zieht, produziert genau die Mängel aus der Liste oben.

Welche Vorschriften gibt es für Brandabschottungen?

Maßgeblich sind die jeweilige Landesbauordnung und die Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie MLAR, die in Bayern über die Technischen Baubestimmungen eingeführt ist. Für das einzelne Schott gilt zusätzlich sein Verwendbarkeitsnachweis, also die bauaufsichtliche Zulassung oder Bauartgenehmigung beziehungsweise eine europäische technische Bewertung.

Was ist die MLAR?

Die Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie regelt, wie Leitungen in Gebäuden brandschutztechnisch geführt werden müssen, insbesondere durch feuerwiderstandsfähige Wände und Decken und in Rettungswegen. Sie wurde von der Bauministerkonferenz erarbeitet und gilt, sobald ein Bundesland sie baurechtlich eingeführt hat.

Muss ein Brandschott gekennzeichnet werden?

Ja. Neben jedem Schott gehört ein dauerhaftes Schild mit Systembezeichnung, Zulassungsnummer, Feuerwiderstandsklasse, ausführender Firma und Herstellungsjahr. Dazu kommt die Übereinstimmungserklärung des Errichters für die Gebäudeakte.

Darf man einen Brandschott nachträglich belegen?

Nur, wenn das System dafür zugelassen ist, und nur nach dessen Vorgaben. Weichschotts und Kissensysteme lassen sich meist gut nachbelegen, Mörtelschotts schlechter. Nach jeder Nachbelegung muss das Schott wieder vollständig nach Zulassung verschlossen und dokumentiert werden.

Ist normaler Bauschaum als Brandschutz zulässig?

Nein. Handelsüblicher Montageschaum ist brennbar und hat keinerlei Feuerwiderstand. Zulässig ist nur Brandschutzschaum, und auch der nur als Bestandteil eines zugelassenen Abschottungssystems und in dessen Einbaugrenzen.

Was kostet eine Brandschottung?

Das hängt an der Größe der Öffnung, der Belegung, dem nötigen System und vor allem an der Zugänglichkeit. Ein frei zugängliches Einzelschott ist schnell gesetzt, eine dicht belegte Durchführung über Kopf in einem engen Schacht dauert ein Vielfaches. Belastbar wird der Preis nach einer Begehung, bei der wir die Durchführungen einzeln aufnehmen.

Fazit

Eine Brandschottung ist kein Bauteil, das man sieht, sondern eines, das man nachweisen muss. Das richtige System für die jeweilige Leitung, die passende Klasse zum Bauteil, ein Schild und eine Übereinstimmungserklärung, mehr braucht es nicht. Und vor allem kein Bauschaum.

Abschottungen prüfen oder herstellen lassen?

MBe Baulicher Brandschutz setzt Kabel-, Rohr- und Kombischotts mit zugelassenen Systemen, prüft bestehende Abschottungen im Bestand und dokumentiert jedes Schott digital. Von Traitsching aus in ganz Bayern.

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