Monteur von MBe Baulicher Brandschutz geht durch eine geöffnete Tür in ein Treppenhaus mit Holztreppe.
    Zurück zu Brandaktuell

    Praxiswissen · 8 Min. Lesezeit ·

    Brandschutz im Treppenhaus

    Was im Mehrfamilienhaus stehen darf, welche Vorschriften gelten, und ein Musterschreiben für die Bewohner

    Kaum ein Ort im Haus sorgt für so viel Ärger wie das Treppenhaus. Der Kinderwagen steht seit Monaten im Erdgeschoss, vor der Tür im zweiten Stock wächst das Schuhregal, und irgendwer hat das Fahrrad unter die Treppe geschoben. Für die Bewohner ist das Platzmangel. Für den Brandschutz ist es ein Problem, denn das Treppenhaus ist in fast jedem Mehrfamilienhaus der einzige bauliche Rettungsweg.

    Hier steht, was im Treppenhaus erlaubt ist, welche Vorschriften dahinterstecken und wie Sie als Verwaltung das Thema klären, ohne einen Hausstreit auszulösen. Am Ende finden Sie ein Musterschreiben, das Sie direkt übernehmen können.

    Rettungsweg

    Warum das Treppenhaus so streng geregelt ist

    In einem typischen Mehrfamilienhaus gibt es genau einen Weg, der durch das Gebäude nach draußen führt: die Treppe. Den zweiten Rettungsweg bildet meist die Leiter der Feuerwehr am Fenster. Brennt es in einer Wohnung, müssen alle anderen Bewohner durch das Treppenhaus hinaus, und die Feuerwehr kommt auf demselben Weg hinein.

    Deshalb verlangt das Bauordnungsrecht einen sogenannten notwendigen Treppenraum. In Bayern regelt das Artikel 33 der Bayerischen Bauordnung, bundesweit dient Paragraf 35 der Musterbauordnung als Vorlage. Der Kern ist überall gleich: Der Treppenraum muss so gebaut und genutzt werden, dass man ihn im Brandfall ausreichend lange sicher benutzen kann.

    Gefährlich ist dabei meist nicht das Feuer selbst, sondern der Rauch. Ein brennender Kinderwagen oder ein Stapel Altpapier im Erdgeschoss kann das ganze Treppenhaus in wenigen Minuten verrauchen. Wer dann im dritten Stock die Wohnungstür öffnet, hat keinen Weg mehr nach unten.

    „Kaum ein Ort im Haus sorgt für so viel Ärger wie das Treppenhaus. Der Kinderwagen steht seit Monaten im Erdgeschoss, vor der Tür im zweiten Stock wächst das Schuhregal, und irgendwer hat das Fahrrad unter die Treppe geschoben.“

    Was darf stehen

    Was darf im Treppenhaus stehen? Die häufigsten Fälle

    Fußmatte

    In der Regel erlaubt. Sie ist flach, bringt kaum Brandlast und behindert niemanden. Grenzwertig wird es, wenn eine dicke Matte über die Stufenkante ragt und zur Stolperfalle wird.

    Schuhe und Schuhregal

    Ein Paar Schuhe vor der Tür wird oft geduldet. Ein Schuhregal nicht: Es engt den Weg ein, ist brennbar und wird bei Dunkelheit und Rauch zur Stolperfalle.

    Kinderwagen und Rollator

    Der umstrittenste Fall. Gerichte haben im Einzelfall erlaubt, einen Kinderwagen oder Rollator im Hausflur abzustellen, wenn die Bewohner darauf angewiesen sind, es keinen anderen Platz gibt und der Rettungsweg breit genug bleibt. Ein Freibrief ist das nicht. Die beste Lösung ist ein Abstellraum im Erdgeschoss oder im Keller.

    Fahrräder, E-Bikes und E-Scooter

    Gehören nicht ins Treppenhaus. Bei E-Bikes und E-Scootern kommt der Akku dazu, der im Brandfall heftig reagiert und schwer zu löschen ist.

    Pflanzen und Deko

    Eine kleine Pflanze auf der Fensterbank ist meist unkritisch. Große Kübel, Kunstblumen, Papiergirlanden und Stoffdeko bringen Brandlast in den Rettungsweg und sollten draußen bleiben.

    Möbel, Kartons, Altpapier, Müllsäcke

    Nicht erlaubt. Das ist genau die Brandlast, die ein Treppenhaus im Ernstfall unbenutzbar macht.

    Wie breit der Weg sein muss, legt für Neubauten die Treppennorm DIN 18065 fest. Für Wohngebäude mit mehr als zwei Wohnungen verlangt sie eine nutzbare Treppenlaufbreite von mindestens einem Meter. Im Bestand gilt: Die Breite, die gebaut wurde, darf nicht durch abgestellte Gegenstände kleiner werden.

    Im Treppenhaus

    Meist unkritisch

    • Fußmatte
    • Bild an der Wand
    • Kleine Pflanze auf der Fensterbank

    Sonderfall

    • Kinderwagen und Rollator
    • Ein Paar Schuhe vor der Tür

    Gehört nicht hinein

    • Schuhregal
    • Fahrräder, E-Bikes und E-Scooter
    • Möbel und Kartons
    • Altpapier und Müllsäcke
    • Große Kübel und Stoffdeko
    Langer Kellerflur einer Wohnanlage mit Türen zu den Kellerräumen.Kabelabschottung als Bodenschott mit Kennzeichnung.Monteur von MBe Baulicher Brandschutz in einer Lüftungszentrale.

    Bauteile

    Die bauliche Seite: Türen, Rauchabzug und Leitungen

    Ein freies Treppenhaus ist die eine Hälfte. Die andere steckt in den Bauteilen, und dort finden wir bei Begehungen die meisten Mängel.

    Türen zu Keller und Dachboden

    Öffnungen vom Treppenraum zu Kellergeschossen, nicht ausgebauten Dachräumen, Werkstätten und Lagerräumen brauchen nach den Bauordnungen mindestens feuerhemmende, rauchdichte und selbstschließende Türen, typischerweise T30-RS. Diese Türen müssen von selbst ins Schloss fallen. Ein Keil darunter macht sie wirkungslos.

    Wohnungseingangstüren

    Für sie verlangen die Bauordnungen dichte und selbstschließende Türen. In älteren Häusern ist das oft nicht umgesetzt. Spätestens beim Austausch einer Tür sollte man darauf achten.

    Rauchabzug

    Notwendige Treppenräume müssen entraucht werden können: über Fenster, die sich in jedem Geschoss öffnen lassen, oder über eine Öffnung zur Rauchableitung an der obersten Stelle. Diese Öffnung braucht mindestens einen Quadratmeter freien Querschnitt und muss sich vom Erdgeschoss und vom obersten Treppenabsatz aus öffnen lassen. Prüfen Sie, ob der Taster funktioniert und wann die Anlage zuletzt gewartet wurde.

    Leitungen im Treppenraum

    Nach der Leitungsanlagen-Richtlinie dürfen Leitungen in notwendigen Treppenräumen nur so verlegt sein, dass sie den Rettungsweg nicht gefährden: zum Beispiel unter Putz, in Installationskanälen mit Feuerwiderstand oder hinter geeigneten Bekleidungen. Ein offen über die Wand geführtes Kabelbündel nach dem Glasfaserausbau gehört dort nicht hin.

    Durchbrüche in den Wänden

    Die Wände des Treppenraums müssen je nach Gebäudeklasse feuerhemmend bis feuerbeständig sein. Jedes Loch für Kabel oder Rohre muss deshalb fachgerecht abgeschottet werden, sonst hat die Wand an dieser Stelle keinen Feuerwiderstand mehr.

    Kabeldurchführung in einer Wand, mit Brandschutzsteinen verschlossen, daneben das Kennzeichnungsschild von MBe Baulicher Brandschutz mit QR-Code.
    Leitungen, die durch Wände laufen, brauchen eine zugelassene Abschottung. Das Schild zeigt, wer sie wann mit welchem System gesetzt hat.

    Bauteile im Treppenraum

    1. 1Türen zu Keller und Dachboden
    2. 2Wohnungseingangstüren
    3. 3Rauchabzug
    4. 4Leitungen im Treppenraum
    5. 5Durchbrüche in den Wänden

    Zuständigkeit

    Wer ist zuständig, und wie setzen Sie die Regeln durch?

    Verantwortlich für den sicheren Zustand des Treppenhauses ist der Eigentümer, bei einer Eigentümergemeinschaft die Gemeinschaft. Die Verwaltung handelt für sie: Sie hält die Hausordnung aktuell, weist auf Verstöße hin und lässt bauliche Mängel beheben. Die Bewohner, egal ob Eigentümer oder Mieter, müssen den Rettungsweg freihalten.

    In der Praxis hat sich diese Reihenfolge bewährt:

    01

    Hausordnung prüfen

    Steht dort ausdrücklich, dass im Treppenhaus nichts abgestellt werden darf? Wenn nicht, ist das der erste Schritt, in der WEG per Beschluss.

    02

    Freundlich informieren

    Ein Rundschreiben an alle, ohne einzelne Parteien bloßzustellen. Die Vorlage dafür finden Sie im nächsten Abschnitt.

    03

    Frist setzen

    Wer danach noch etwas stehen hat, bekommt eine persönliche Aufforderung mit Frist.

    04

    Nicht selbst räumen

    Gegenstände im Treppenhaus gehören jemandem. Einfach entsorgen kann teuer werden. Bleibt es beim Verstoß, geht der weitere Weg über den Vermieter oder die Gemeinschaft.

    Anders ist es bei akuter Gefahr, etwa wenn ein Ausgang zugestellt ist. Dann muss sofort gehandelt werden.

    Vorlage

    Musterschreiben: Bitte halten Sie das Treppenhaus frei

    Diese Vorlage können Sie übernehmen und an Ihr Haus anpassen. Sie ist bewusst freundlich gehalten, denn ein Aushang voller Paragrafen bewirkt meist das Gegenteil.

    Musterschreiben zum Übernehmen

    Betreff: Bitte halten Sie das Treppenhaus frei

    Liebe Bewohnerinnen und Bewohner,

    das Treppenhaus ist in unserem Haus der wichtigste Weg nach draußen, falls es einmal brennt. Und es ist der Weg, über den die Feuerwehr zu Ihnen kommt. Im Brandfall zählt dort jede Sekunde, und bei Rauch werden schon wenige Gegenstände zu gefährlichen Hindernissen.

    Wir bitten Sie deshalb, im Treppenhaus und in den Hausfluren nichts abzustellen. Dazu gehören zum Beispiel Schuhregale, Schuhe, Fahrräder, E-Scooter, Kartons, Altpapier, Müllsäcke und Möbel. Eine Fußmatte vor der Wohnungstür ist selbstverständlich in Ordnung.

    Bitte räumen Sie Gegenstände, die noch im Treppenhaus stehen, bis zum [Datum] weg. Für Kinderwagen und Rollatoren steht Ihnen [Abstellraum, Kellerraum oder Fahrradraum] zur Verfügung. Wenn Sie keinen Platz finden, sprechen Sie uns gerne an, wir suchen gemeinsam eine Lösung.

    Noch eine Bitte: Die Türen zum Keller und zum Dachboden müssen immer von selbst ins Schloss fallen. Bitte legen Sie keine Keile darunter.

    Vielen Dank, dass Sie mithelfen, unser Haus sicher zu halten. Mit freundlichen Grüßen, [Name der Hausverwaltung]

    Bestandsschutz

    Gilt für alte Treppenhäuser Bestandsschutz?

    Teilweise. Ein Treppenhaus, das nach damaligem Recht genehmigt wurde, muss nicht automatisch auf den heutigen Stand gebracht werden. Bestandsschutz deckt aber nur den baulichen Zustand, nicht die Nutzung: Ein zugestelltes Treppenhaus ist auch im Altbau unzulässig. Bei konkreten Gefahren, etwa offenen Durchbrüchen oder einer Kellertür, die nicht mehr schließt, kann die Bauaufsicht Nachbesserungen verlangen. Und sobald umgebaut wird, gelten ohnehin die aktuellen Anforderungen.

    Häufige Fragen

    F1

    Was darf im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses stehen?

    Grundsätzlich nichts, was brennen kann oder den Weg verengt. Eine Fußmatte vor der Wohnungstür und ein Bild an der Wand sind meist unkritisch. Schuhregale, Möbel, Fahrräder, Kartons, Altpapier und Müll gehören nicht ins Treppenhaus.

    F2

    Darf ein Kinderwagen im Treppenhaus stehen?

    Im Einzelfall ja. Gerichte haben es erlaubt, wenn die Bewohner auf den Kinderwagen angewiesen sind, es keinen anderen Abstellplatz gibt und der Rettungsweg breit genug bleibt. Ob und wo, regelt am besten die Hausordnung.

    F3

    Darf ein Schuhregal im Treppenhaus stehen?

    In aller Regel nicht. Es engt den Rettungsweg ein, ist brennbar und wird bei Rauch zur Stolperfalle. Viele Hausordnungen untersagen es ausdrücklich.

    F4

    Wer ist für den Brandschutz im Treppenhaus verantwortlich?

    Der Eigentümer, bei einer WEG die Gemeinschaft. Die Verwaltung setzt Hausordnung und Beschlüsse um und lässt bauliche Mängel beheben. Die Bewohner müssen den Rettungsweg freihalten.

    F5

    Müssen Türen im Treppenhaus immer geschlossen sein?

    Türen mit Brandschutzfunktion, etwa zum Keller oder zum Dachboden, müssen von selbst schließen und dürfen nicht offen gehalten werden. Soll eine solche Tür im Alltag offen stehen, geht das nur mit einer zugelassenen Feststellanlage, die bei Rauch automatisch auslöst.

    F6

    Was ist ein notwendiger Treppenraum?

    Ein Treppenraum, über den der erste Rettungsweg aus den Wohnungen führt. Für ihn gelten besondere Anforderungen an Wände, Türen, Rauchabzug und Leitungen. In Bayern regelt das Artikel 33 der Bayerischen Bauordnung.

    Fazit

    Ein sicheres Treppenhaus braucht zweierlei: Bewohner, die nichts abstellen, und Bauteile, die im Ernstfall funktionieren. Das Erste klären Sie mit einem freundlichen Rundschreiben. Für das Zweite lohnt sich ein prüfender Blick auf Türen, Rauchabzug, Leitungen und Durchbrüche, am besten bei einer gemeinsamen Begehung.

    Über den Autor

    Benjamin Meindl

    Gründer und Inhaber, MBe Baulicher Brandschutz

    Rund 20 Jahre im baulichen Brandschutz, zuletzt als operativ Verantwortlicher für Brandschutzsysteme in einem mittelständischen Handwerksbetrieb. 2018 gründete er MBe in Traitsching, heute arbeitet er mit 15 bis 20 Kollegen in ganz Bayern.

    Mehr über MBe