Monteur von MBe Baulicher Brandschutz verpresst mit dem Schlauch Brandschutzmörtel an einer Durchführung am Boden.
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    Praxiswissen · 6 Min. Lesezeit ·

    Brandschutz im Keller

    Was im Mehrfamilienhaus gelagert werden darf, welche Türen gelten und wo nach Nachrüstungen die Löcher bleiben

    Im Keller eines Mehrfamilienhauses kommt alles zusammen, was im Brandfall Ärger macht. Hier lagert die meiste Brandlast des Hauses, hier stehen Heizung, Hausanschluss und Zähler, und von hier aus laufen die Leitungen durch alle Geschosse nach oben. Brennt es im Keller, zieht der Rauch fast immer ins Treppenhaus.

    Dazu kommt ein Problem, das in den letzten Jahren größer geworden ist: Glasfaser, Wärmepumpe, Wallbox, PV-Anlage. Jede dieser Nachrüstungen beginnt im Keller, und jede bohrt Löcher in Wände und Decken, die eigentlich Feuer aufhalten sollen.

    01 / Brandrisiko

    Warum der Keller das größte Brandrisiko im Haus ist

    Ein Kellerbrand bleibt oft lange unbemerkt, weil sich dort niemand aufhält. Rauchwarnmelder sind im Keller nicht vorgeschrieben, und bis jemand den Rauch bemerkt, steht er meist schon im Treppenhaus.

    Gleichzeitig ist die Brandlast hoch: Lattenverschläge aus Holz, Kartons, alte Möbel, Reifen, Farbeimer. Und die Kellerdecke trennt den Keller von den Wohnungen darüber. In den meisten Mehrfamilienhäusern muss sie feuerbeständig sein, also 90 Minuten standhalten. Das tut sie aber nur, wenn sie keine offenen Löcher hat.

    Mit Brandschutzmörtel verschlossene Leitungsdurchführung an einer Kellerdecke, daneben das Kennzeichnungsschild von MBe Baulicher Brandschutz.

    „Im Keller eines Mehrfamilienhauses kommt alles zusammen, was im Brandfall Ärger macht. Hier lagert die meiste Brandlast des Hauses, hier stehen Heizung, Hausanschluss und Zähler, und von hier aus laufen die Leitungen durch alle Geschosse nach oben.“

    Kellertür

    Die Kellertür: zu, aber niemand eingesperrt

    Die Tür zwischen Keller und Treppenhaus ist die wichtigste Brandschutztür im Haus. Die Bauordnungen verlangen hier mindestens eine feuerhemmende, rauchdichte und selbstschließende Tür, kurz T30-RS. Sie soll Feuer und Rauch aus dem Keller so lange vom Treppenhaus fernhalten, bis alle draußen sind.

    Das klappt nur, wenn sie zu ist. In der Praxis finden wir Kellertüren mit Keil, mit Haken an der Wand, mit ausgehängtem Türschließer oder mit einem Schließer, der so schwach eingestellt ist, dass die Tür kurz vor dem Schloss stehen bleibt. Das ist der häufigste Mangel, den wir sehen, und meistens der günstigste.

    Eine Frage, die in Wohnanlagen immer wieder zu Streit führt: Darf man die Kellertür abschließen? Grundsätzlich ja. Ein Schloss nimmt der Tür nicht ihre Brandschutzwirkung, entscheidend ist, dass sie geschlossen ist. Es gibt aber eine wichtige Bedingung: Wer sich im Keller aufhält, muss im Brandfall ohne Schlüssel hinauskommen. Dafür gibt es Schlösser mit Panik- oder Knauffunktion, die von innen immer öffnen.

    Zwei Monteure von MBe Baulicher Brandschutz setzen Abschottungen an Lüftungskanälen.Langer Kellerflur einer Wohnanlage mit Türen zu den Kellerräumen.Kabelabschottung als Bodenschott mit Kennzeichnung.

    03 / Lagerung

    Was darf im Keller gelagert werden?

    Für das eigene Kellerabteil gilt in den meisten Häusern: Was man im Haushalt üblicherweise lagert, darf auch in den Keller. Grenzen setzen die Hausordnung, Vorschriften für bestimmte Stoffe und der gesunde Menschenverstand.

    Kartons, Möbel, Hausrat

    Im eigenen Abteil erlaubt. Gänge, Treppen und der Bereich vor Technikräumen müssen frei bleiben. Ordnung ist hier der beste Brandschutz.

    Autoreifen

    Ein Satz Reifen im eigenen Abteil ist in den meisten Hausordnungen erlaubt. Größere Mengen sind eine erhebliche Brandlast und gehören nicht in einen Wohnhauskeller.

    Brennbare Flüssigkeiten

    Kleine Mengen in Originalgebinden, etwa Farbe, Lack oder Grillanzünder, sind üblich. Kanister mit Benzin oder größere Vorräte nicht.

    Gasflaschen

    Flüssiggasflaschen, etwa für den Gasgrill, gehören nicht in den Keller. Das Gas ist schwerer als Luft und sammelt sich bei einem Leck am Boden.

    E-Bikes, E-Scooter und Akkus

    Abstellen ist meist erlaubt, wenn die Hausordnung es zulässt. Laden sollte man die Akkus nicht unbeaufsichtigt im Keller. Viele Hausordnungen untersagen das inzwischen ausdrücklich.

    Im Heizungsraum hat Lagerung grundsätzlich nichts zu suchen. Je nach Größe und Brennstoff der Heizung stellt die Feuerungsverordnung außerdem eigene Anforderungen an den Raum und seine Tür.

    Lagerung im Keller

    Im eigenen Abteil erlaubt

    • Kartons, Möbel, Hausrat
    • Ein Satz Reifen
    • Kleine Mengen in Originalgebinden
    • E-Bikes und E-Scooter abstellen

    Gehört nicht in den Keller

    • Flüssiggasflaschen
    • Kanister mit Benzin
    • Größere Mengen Reifen
    • Akkus unbeaufsichtigt laden
    • Alles, was Gänge und Treppen zustellt
    • Lagerung im Heizungsraum

    Maßgeblich ist die Hausordnung.

    04 / Durchbrüche

    Der stille Mangel: Löcher nach Glasfaser, Wärmepumpe und Wallbox

    Bei Begehungen in Wohnanlagen finden wir die ernsten Mängel selten in den Kellerabteilen, sondern in Wänden und Decken. Jede Nachrüstung beginnt im Keller: Der Glasfaseranschluss kommt im Hausanschlussraum an, die Leitungen der Wärmepumpe laufen nach draußen, für die Wallbox wird ein Kabel aus dem Zählerraum gezogen, und die PV-Leitung kommt vom Dach durch alle Geschosse nach unten.

    Jedes Mal wird gebohrt. Und fast nie steht im Auftrag, wer das Loch danach wieder brandschutztechnisch verschließt. Das Ergebnis sind Kellerwände und Kellerdecken, die auf dem Papier 90 Minuten halten und in der Realität neben dem Kabel ein offenes Loch haben.

    Geschlossen werden solche Durchbrüche mit zugelassenen Abschottungen: Brandschutzmörtel oder Weichschott für Kabel, Brandschutzmanschetten für Kunststoffrohre, Dämmschalen für Metallrohre. Welches System passt, hängt von Wand, Leitung und Zulassung ab. Zu jeder Abschottung gehören ein Kennzeichnungsschild und ein Nachweis, wer sie wann eingebaut hat.

    Kabeltrasse, die durch eine Wand geführt und mit Brandschutzmörtel verschlossen ist, daneben das Kennzeichnungsschild der Abschottung.
    Durchführungen werden mit zugelassenem Brandschutzmörtel verschlossen. Danach hat das Bauteil an dieser Stelle wieder seinen Feuerwiderstand.

    Nachrüstungen

    Jede Nachrüstung beginnt im Keller

    1. 1GlasfaserHausanschlussraum
    2. 2Wärmepumpenach draußen
    3. 3Wallboxaus dem Zählerraum
    4. 4PV-Anlagevom Dach durch alle Geschosse

    Löcher in Wänden und Decken

    Fluchtweg

    Fluchtweg und Ordnung im Kellergang

    Kellergänge sind oft Teil des Rettungswegs aus dem Keller. Sie müssen frei bleiben, auch wenn der Platz in den Abteilen knapp wird. Regale im Gang, abgestellte Fahrräder oder Sperrmüll vor dem Ausgang sind nicht nur Brandlast, sie versperren auch den Weg nach draußen. Ein klarer Satz in der Hausordnung und eine jährliche Entrümpelungsaktion wirken hier oft besser als Verbotsschilder.

    Häufige Fragen

    F1

    Dürfen Brandschutztüren im Keller abgeschlossen werden?

    Ja, solange niemand im Keller eingeschlossen werden kann. Ein Schloss beeinträchtigt die Brandschutzwirkung nicht. Liegt die Tür auf dem Rettungsweg aus dem Keller, muss sie sich von innen ohne Schlüssel öffnen lassen, zum Beispiel mit einem Panik- oder Knaufschloss.

    F2

    Was darf nicht im Keller gelagert werden?

    Flüssiggasflaschen, Kanister mit Benzin und größere Mengen brennbarer Flüssigkeiten. Dazu kommt alles, was Gänge, Treppen und Technikräume zustellt. Im Heizungsraum sollte gar nichts gelagert werden.

    F3

    Darf man Reifen im Keller lagern?

    Ein Satz Reifen im eigenen Kellerabteil ist in den meisten Häusern erlaubt, maßgeblich ist die Hausordnung. Größere Mengen sind eine erhebliche Brandlast und gehören nicht in einen Wohnhauskeller.

    F4

    Darf man Kartons im Keller lagern?

    Ja, im eigenen Abteil. Gänge und der Bereich vor Technikräumen müssen frei bleiben.

    F5

    Ist ein Rauchmelder im Keller Pflicht?

    Nein. In Bayern sind Rauchwarnmelder in Schlafräumen, Kinderzimmern und Fluren vorgeschrieben, die zu Aufenthaltsräumen führen. Kellerräume gehören nicht dazu. Freiwillig kann ein Melder trotzdem sinnvoll sein. Wegen Staub und Feuchtigkeit sollte man dann einen dafür geeigneten Typ wählen.

    F6

    Wer ist für den Brandschutz im Keller verantwortlich?

    Für Türen, Wände, Decken und Abschottungen der Eigentümer, bei einer WEG die Gemeinschaft. Für das, was in den Abteilen lagert, die jeweiligen Nutzer. Die Verwaltung sorgt dafür, dass Mängel erkannt und behoben werden.

    Fazit

    Im Keller entscheidet sich, ob ein Brand ein Kellerbrand bleibt oder ein Problem für das ganze Haus wird. Eine Kellertür, die von selbst schließt, freie Gänge und geschlossene Durchbrüche in Wänden und Decken sind dafür die drei wichtigsten Punkte. Alle drei lassen sich bei einer Begehung in kurzer Zeit prüfen.

    Über den Autor

    Benjamin Meindl

    Gründer und Inhaber, MBe Baulicher Brandschutz

    Rund 20 Jahre im baulichen Brandschutz, zuletzt als operativ Verantwortlicher für Brandschutzsysteme in einem mittelständischen Handwerksbetrieb. 2018 gründete er MBe in Traitsching, heute arbeitet er mit 15 bis 20 Kollegen in ganz Bayern.

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